darktaxa-project, launched 2019

 

Teilnehmende Künstler*innen Status 1-2020:

Banz & Bowinkel, Julius Brauckmann, Arno Beck, Ralf Brueck, Raphael Brunk, Philipp Goldbach, Alex Grein, Beate Gütschow, Achim Mohné, Susan Morris, Johannes Post, Michael Reisch, Anna Ridler, Ria Patricia Röder, Aaron Scheer, Björn Siebert, David Young

 

 

darktaxa-project ist eine internationale Künstler*innengruppe (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Köln, Leipzig, New York, London). darktaxa-project arbeitet an der Schnittstelle von Fotografie zu neuen digitalen bildgebenden Verfahren (Digital Imaging), z.B. mit Computer Generated Imagery (CGI), Photogrammetrie, Digitaler Fotografie und Bildbearbeitung, Scanografie, Augmented Reality, 3D-Druck, Motion-Capture, Künstlicher Intelligenz und weiteren digitalen Werkzeugen. darktaxa-project sich aus einem von Anfang 2019 von Michael Reisch ins Leben gerufenen Projekt entwickelt.

 

 

 

CV darktaxa-project:


- gegründet/founded 2019

- 2019 Gruppenausstellung/groupexhibition Photon | Icon, Galerie Falko Alexander, Köln, im Rahmen/in connection with Photoszene Köln und/and Symposium Photographic materials: archives and tools, KHM Köln

- 2019 about darktaxa-project: Vortrag und Podiumsdiskussion/public lecture, Haus der Fotografie/Deichtorhallen Hamburg, DFA Deutsche Fotografische Akademie

- 2019 The Wrong Biennale, NRW Forum Düsseldorf

upcoming projects, amongst others:

- 2020 Publikation/publication darktaxa, ManifestNoManifest, 48 Seiten/pages

- 2020 Gruppenausstellung/groupexhibition darktaxa-project: the Frankfurt-constellation, Schierke Seinecke Galerie, Frankfurt

- 2020 Gruppenausstellung/groupexhibition darktaxa-project: the Berlin-constellation, DAM Galerie, Berlin

- 2022 Gruppenausstellung/groupexhibition, Kunstmuseum Bonn, basierend auf/based on darktaxa-project, co-kuratiert von/co-curated by Michael Reisch

 

 

 

Zum Selbstverständnis von darktaxa-project und zur Schnittstelle des (Post)-Fotografischen mit Digital Imaging und KI

proto- statt post-

 

Der Bereich der neuen digitalen bildgebenden Verfahren (Digital Imaging) und der Fotografie im Bereich der Bildenden Kunst befindet sich momentan in einer Phase der fortgesetzten Orientierungssuche.

Der Übergang zum Digitalen in den 90ern war speziell für die Fotografie sowohl in technischer, als auch in inhaltlich-theoretischer Hinsicht ein disruptiver Bruch. Kategorien, die aus dem traditionellen analogen Fotografieverständnis noch ins Digitale hineinstrahlen, wie z.B. Repräsentation, Abstraktion, etc. haben im Hinblick auf eine zunehmend virtuelle Umgebung ihre Schlagkraft eingebüßt. Und nach den postfotografischen Diskursen der 2010er zu Autorschaft, zu fluiden Bildern und Streaming; nach Photoshop, Google-Bilderinflation und maschineller Fotografie, nach der Einführung der neuen digitalen Werkzeuge wie CGI, Photogrammetrie, und neuerdings KI und GANs etc., liegt für die Fotografie (bzw. das, was wir aktuell dafür halten) momentan kein Stein mehr auf dem anderen.

Aktuell ist die genaue Tätigkeit der Fotograf*innen unseres (darktaxa-project-) Erachtens nicht definiert: sind Fotograf*innen nun Computerarbeiter*innen geworden, müssen Fotograf*innen zukünftig Programmierer*innen werden? Was soll das neue Selbstverständnis der Fotograf*innen sein? Diese Unklarheit betrifft auch die theoretische Ebene: wie sind z.B. die neuen KI-generierten Bilder, deepfakes, Neos etc. zu verstehen, soll das Fotografie genannt werden oder nicht? Macht der Begriff „Fotografie“ überhaupt noch Sinn? Oder ist er hemmungslos überfordert, reaktionär und bremst das Denken aus? Soll Digital Imaging zukünftig als Teil der Fotografie gedacht werden oder umgekehrt, oder ist beides synonym? Etc.

Hinzu kommen, im größeren Zusammenhang, die Auswirkungen des digitalen Umbruchs auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. In dieser Hinsicht verstehen wir (darktaxa-) Künstler*innen (ich denke nicht als Einzige) die aktuelle Situation als einschneidend und denkwürdig, mit unabsehbaren ökologischen, politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen.

Der Markt in Zeiten des Hyperkapitalismus und die Industrie, die Tech-Konzerne mit ihren Entwicklungsabteilungen diktieren hier die Geschwindigkeit für die gesellschaftlichen Entwicklungen auf globaler Ebene, genauso wie für unsere direkten Lebensumstände. Gefühlt wird jede Woche eine neue bahnbrechende Technologie auf den Markt geworfen, dies zieht sich auch bis in die Ebene der Kunst und ihre Produktionsprozesse hinein.

Unsere technische Umgebung bleibt dabei auf User*innen-Ebene eine Blackbox. Selbst die Geräte, mit denen wir täglich arbeiten, können in ihren Funktionsweisen letztlich nicht verstanden werden, bleiben (von Seiten der Konzerne gewollt) hermetisch und sind damit dem Verständnis durch das Individuum entzogen. Der/die Einzelne ist im Hinblick auf seine/ihre direkte digitale Umgebung im zunehmenden Maße entmündigt, ist User*in und Consumer*in statt Gestalter*in, ist abhängig statt informiert (und unfähig auch nur den Akku im eigenen Smartphone selbst zu wechseln).

In dieser ungeklärten Situation des immer weiter beschleunigten Wandels und der Orientierungsfindung der Diskurse setzt darktaxa-project an. Es gibt einen kollektiv empfundenen Klärungsbedarf, drängende gemeinsame Fragestellungen, die die projektbeteiligten Künstler*innen verbinden, und die sich aus den gemeinsam erlebten postfotografischen und digital dominierten Arbeits- und Lebensbedingungen ergeben.

Als (darktaxa-) Künstler*innen arbeiten wir sehr bewusst und direkt mit den digitalen Medien, die eine Schlüsselstelle in diesem gesellschaftlichen Umbruch einnehmen. Die neuen digitalen Tools sind dabei für uns sowohl das Objekt der Untersuchung, als auch das erforderliche Werkzeug, das unabdingbare Passwort/ Passepartout, um die sichtbare Oberfläche zu durchdringen und Einblicke in die Funktionsweise der Algorithmen, des Digitalen im größeren Zusammenhang zu erlangen, um die unsichtbaren Wirkweisen des Digitalen im Bild sichtbar zu machen (hier geht es um virtuelle Zustände, immaterielle und intermaterielle Zustände, auf die die traditionelle Fotografie im Normalfall keinen Zugriff hat).

Ein nachhaltiges Misstrauen gegenüber den von uns eingesetzten, aber nicht selbst gestalteten Werkzeugen ist Teil unserer Arbeit, ebenso wie eine kritische Distanz und medienreflexive Haltung in der Anwendung der digitalen Tools (an anderer Stelle dienen z.B. gerade die Werkzeugen mit denen wir u.a. arbeiten – KI in Verbindung mit fotografischen Verfahren ­– immerhin als operative Grundlage für die Einrichtung eines totalitären Regimes).

Speziell für die Fotografie im Bereich der Bildenden Kunst hat die besagte Orientierungsfindung eine unübersehbare Lähmung in der Rezeption und im Verständnis über fast mehr als 2 Dekaden nach sich gezogen. Diese Leerstelle versucht darktaxa-project auf experimentelle Weise zu bespielen. darktaxa-project versucht, digital konstituierte künstlerische Positionen auf experimentelle und neuartige Art und Weise zusammenzuführen. Diese Positionen haben sich vor allem in den letzten 10-15 Jahren (mit Wurzeln bis in die 90er) herausgebildet, sind aber unseres Wissens in dieser Weise bislang nicht zusammenhängend wahrgenommen und rezipiert worden.

Der Fotografie (im historischen Verständnis) kommt hier eine zentrale Rolle zu. Die neuen, von darktaxa-project verwendeten Tools wie CGI, Photogrammetrie etc, sind größtenteils computerbasierte Visualisierungsverfahren, die auf fotografischen Prinzipien und Sehmodellen basieren oder diese simulieren (Zentralperspektive, Realismus, etc.). D.h. den jeweiligen Arbeitsweisen und Werken der Gruppe sind in unterschiedlich starken Ausprägungen fotografische Aspekte eingeschrieben, die in den jeweiligen Arbeitsweisen und Werken teils übernommen, verändert, weiterentwickelt, simuliert, gehackt, geglitcht, oder vollständig überschrieben werden.

darktaxa-project versteht sich dabei nicht als Fortführung oder Erweiterung der Fotografie mit neuen Mitteln (Photography und Expanded Photography), sondern sehr offen gedacht als Digital Imaging (Digitale bildgebende Verfahren), mit allen Möglichkeiten zur Entwicklung und Ausdifferenzierung von Arbeitsweisen, Verständnismodellen und Terminologie. (darktaxa-project versteht sich außerdem als eine mögliche künstlerische Herangehensweise unter weiteren).

darktaxa-project versteht sich als experimentell und als im besten Fall prototypisch. Die neuen digitalen Arbeitsweisen blicken nicht auf eine lange historische bildnerische Tradition zurück, sondern werden in einigen Fällen erst seit wenigen Jahren eingesetzt. darktaxa-project begreift die jetzige Situation daher als Anfangsstadium, aus dem fortgesetzte Entwicklungen, Bildsprachen und Bildtraditionen potentiell erst hervorgehen könnten (im Gegensatz zu Werken, die eine Bildtradition bereits über eine längere Zeit entwickelt haben, z.B. die analoge Fotografie am Ende des 20.Jh., als Endpunkt einer 150-jährigen Tradition).

 

<proto-? statt post-fotografisch = darktaxa>

 

Der Name darktaxa ist der Taxonomie entlehnt und bezeichnet dort Tiere, die existieren aber noch keinen Namen haben bzw. noch keiner Art zugeordnet worden sind.

 

 

 

 

Michael Reisch, 1-2020

 

 

 

 

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